Trauma & Bindung

„Bindung ist das gefühlstragende Band, das eine Person zu einer anderen spezifischen Person anknüpft und das sie über Raum und Zeit miteinander verbindet."

(John Bowlby)

 

"Bindung in der Nusschale"

Nun, eine kurze Zusammenfassung über die Bindungstheorie - sozusagen „Bindung in der Nussschale“, einfach und doch auf den Punkt gebracht.

Doch Bindung ist weit mehr, als dieser kurze und knackige Abriss.

"Bindung ist das Fundament unserer Persönlichkeit.

    • Sichere Bindung = Psychischer Schutz bei Belastungen und bietet ein breites Fundament
    • Unsichere Bindung = Psychisches Risiko bei Belastungen und bietet ein eher schmales Fundament
    • Desorganisierte Bindung = der Beginn zur Psychopathologie und das Fundament weist bereits Löcher und fehlende Fundamentteile auf
    • Bindungsstörung = Manifeste frühe Psychopathologie, das Fundament gleicht einem Sumpf oder ist auf Treibsand gebaut

Ein Säugling entwickelt im Laufe des ersten Lebensjahres eine spezifische, emotionale Bindung an eine Hauptperson die auf keinen Fall zwingend ein Elternteil sein muss. Diese emotionale Entwicklung sichert das Überleben des Säuglings. So weiss man aus der Forschung, wenn Kinder diese Hauptbindungsperson verlieren (zumeist die Eltern), verlieren sie auch allmählich die Bindungsfähigkeit - weil ihr Bindungssystem abgeschaltet werden muss - um dem durch den Verlust resultierendem Schmerz begegnen zu können - und um eine daraus resultierende Übererregung - Stress und den wohl sicheren Tod dadurch zu verhindern. Gelingt dies nicht, bedeutet dies den sicheren Tod für den Säugling.

Diese emotionale Bindung sichert das Überleben des Säuglings und die (Haupt-) Bindggsperson ist bestenfalls der „sichere Hafen“ und die „emotionale Basis“ - Fundament - für den Säugling und die weitere Entwicklung im Leben und des Lebens. Bindung ist also so grundlegend, wie die Luft zum Atmen und Ernährung - man kann eben nicht sagen, ich binde mich nicht - ähnlich dem Essen oder der Atmung, würden sie dauerhaft sterben - es herrscht sozusagen Bindungspflicht!

Bindung sichert also das Überleben -

und die Entwicklung des Säuglings und des späteren Individuums und wirkt eben entweder förderlich oder destruktiv auf den Individuationsprozess. Sie wird durch Angst und Trennung von der Bindungsperson aktiviert und durch körperliche Nähe zur Bindungsperson wieder beruhigt. Die primäre Bindungsperson muss keinesfalls die leibliche Mutter oder der leibliche Vater sein, sondern wird vom Kind gewählt (und die sind da wenig wählerisch) und ist die Pflegeperson mit der grössten Feinfühligkeit in der Interaktion mit dem „Säugling“.

Und bis das im Kindergarten und den Kitas, der Schule und sonst wo durchgesickert ist, dass diese Personen dort, die sich um die Kinder kümmern, auch Bindungspersonen sind, das wird aller Voraussicht nach noch ca. 50-100 Jahre dauern, aber dann ist es auch gut. Bei allem Irrwitz gibt es sogar eine Ausbildung mit dem Titel: „Lehrer für die Lehrer“ - dauert zwei Jahre - damit endlich wer den Lehrern beibringt, wie Lernen geht - vor allem GEHIRNGERECHT in der Hoffnung, dass sie das für sich verinnerlichen können um es dann an ihre Schüler guten Gewissens weiter zu geben.

Das durch Angst und Trennung aktivierte Bindungssystem

… und das daraus entstehende Bindungsbedürfnis wird durch körperliche Nähe zur Bindungsperson wieder beruhigt. Dieses Wechselspiel geht letztendlich dauernd hin und her... - bis zum „bitteren“ Ende - wenn man so will.

"Bindung ist sowohl das eine - als das andere, Exploration / Erkundung"

Bindungs - Explorations Wippe

Immer wenn das Bindungsbedürfnis aktiviert ist - braucht es - als Kinder also die „Eltern“ - eine Bindungsperson - die dann „Koreguliert“ (beherztes Eingreifen), so, dass Beruhigung wieder stattfindet und Exploration wieder stattfinden kann. Und später sind wir es dann eben selbst, die sich hier koregulieren / beruhigen müssen, egal, ob Mann oder Frau.

In der Psychotraumatologie geht es hier dann um das Stress-Toleranz-Fenster der Affekte. Ein über einen längeren Zeitraum aktiviertes Bindungssystem führt zwangsläufig in die Dissoziation = Abspalten von Bewusstsein.

Dabei wird unterschieden zwischen:

    • Übererregung des Sympathikus - in der Folge kommt es zu Dissoziation mit Einfrieren
    • Übererregung des Parasympathikus - in der Folge kommt es zu Dissoziation mit Erschlaffung

Dissoziation kann auch gelernt werden und sie wird durch sogenannte Trigger ausgelöst. Dissoziation ist immer ein Lebens-Überlebens-Selbstschutz - dieser kommt natürlich vor, das hat wohl einen guten Grund - wird aber eben dann schadhaft, wenn er nicht mehr enden will.

Entweder ist man dann eingefroren oder erschlafft, um die Gefahr zu überstehen.

Stress-Toleranz-Fenster und Resilienz

Leider, so lässt sich durchaus feststellen, haben das schlichtweg zu viele Menschen, viel zu wenig gelernt, sich selbst zu regulieren und für sich zu sorgen. Die Folge - auch im Erwachsenenalter - dann muss dissoziiert werden, und das ist dann wirklich schlecht, zumindest, wenn es nicht mehr aufhört - mit Auswirkungen für den Betroffenen selbst, und darüber hinaus, das Umfeld und die gesamte Gesellschaft.

Grosse Feinfühligkeit fördert eine sichere Bindungsentwicklung und diese setzt sich zusammen aus:

    • Verhalten
    • Sprache
    • Rhythmus
    • Blickkontakt
    • Berührung

So sollte das erklärte Ziel einer jeden Therapie, ob bei Kind oder Erwachsenem sein, diese dissoziativen Zustände zu stoppen und für Beruhigung zu sorgen und schlussendlich dafür zu sorgen, dass der Patient in der Lage ist eine solche Beruhigung selbst und ständig vor zu nehmen und anzuwenden. So werden Frustrationstoleranz und Resilienz gestärkt und entwickelt - Selbstregulation findet statt. „Die Freiheit“ ist das erklärte Ziel - die Freiheit, wieder Selbstwirksamkeit zu erleben und Leben zu leben, anstatt nur zu überleben, denn das ist nun wirklich was anderes.

Dies geschieht durch Resilienzförderung und diese erfolgt durch das eigene Erleben der Betroffenen von neuen, positiven, fürsorglichen, wohlwollenden Bindungserfahrungen mit Menschen (aber auch Tiere sind manchmal dann oft die besseren Therapeuten), die das nötige Feingefühl / Gespür haben, die Frustrationstoleranz zu fördern und zu steigern - damit Selbstregulation wieder, oder manchmal sogar erstmals möglich wird - das wäre dann Bindungstherapie.

Beherztes, regulierendes Eingreifen an der richtigen Stelle, fördert diesen Prozess und das braucht Feinfühligkeit und Wissen und Bildung - denn nur nett alleine reicht leider in den allermeisten Fällen nicht aus, wie die Erfahrung zeigt.

Wichtig!

Die Kinder (Wir) wollen die Welt entdecken und erkunden und erobern - DAS LIEGT IN DER NATUR - Kinder wollen sicher nicht lebenslänglich im (leider manchmal unwissend vermeintlich) „Sicheren Hafen“ (bei den Eltern) bleiben - auch das ist natürlich und gut so. Kinder wollen von Natur aus die Welt entdecken und begreifen - denn nur dann haben sie es Begriffen und dafür auch Begriffe um sich ausdrücken zu können - WIR WAREN ALLE MAL KINDER.

"Dabei hatte der eine eben mehr Glück und der andere eben weniger".

Bindung ist ein breit gefächertes Feld und wir wissen, dass die „Eltern“ eine wichtige Rolle spielen - was wir mittlerweile aber auch wissen, dass die Geschwisterbindungen wohl noch bedeutender sind, als die Elternbindungen, was leider viel zu lange vernachlässigt wurde.

Bindungsqualität des Kindes

Wie wir eingangs schon erfahren haben, lässt sich die Bindungsqualität des Kindes, anhand des - "Des Fremde-Situations-Test" (Mary Ainsworth 1978) - ich war gerade mal 4 Jahre alt unterteilen in

A - "UNSICHER VERMEIDEND"

B - "SICHER"

C - "UNSICHER AMBIVALENT"

D - "DESORGANISIERT".

Desorganisation = der 4. Bindungsstil und beschreibt eine Bindungsstörung - dieser Stil wurde erst später nach den drei vorher bekannten Bindungsstilen entdeckt und definiert.

Die schwierigste Form der Bindungsstörung, man könnte sagen der 5. Bindungsstil (den es „noch“ nicht gibt), ist die Bindungslosigkeit bei Kindern - die, die sich im Wald und im Untergrund des Kanalsystems verstecken

E - „Unterirdische Bindungslosigkeit“

könnte man das dann vielleicht irgendwann mal nennen. Gottseidank ist die letztgenannte Situation hier in Deutschland „noch“ recht wenig bekannt und gepflegt, doch wir kennen das aus anderen Ländern wie Rumänien, die eben gar nicht so weit weg von uns sind.

Folgen der Bindungsentwicklung

Für die psychische Entwicklung gilt:

    • Sichere Bindung = SCHUTZ

    • Unsichere Bindung = RISIKO

Vielleicht ist es ja wirklich so, dass der Klimawandel hierzulande das sekundäre Problem für die Menschheit darstellt und die Desorganisation und die damit einhergehende (reaktive) Verdummung der Bevölkerung die weitaus schlimmere Katastrophe darstellen - Nur will das keiner sehen!

„JE FRÜHER EINE GUTE BINDUNGSTHERAPIE BEGINNT,
UMSO BESSER DIE CHANCEN SPÄTER!“

Dennoch lässt sich sagen:

(K.H. Brisch 2019 - 18. IBK)

„Die klare Prognose lautet, dass, wenn wir hierzulande,
weiter so schlechte Krippenplätze unterhalten, dann wird die
>>Desorganisierte Bindungsstörung<<
sich unweigerlich noch weiter ausbreiten -
und dann haben wir das, was wir nie wollten“.

"Seelenprügel -

Was Kindern in Kitas wirklich passiert".

Und was wir dagegen tun können" (Kösel Verlag).

So bezeichnet die Psychologin und Pädagogin Anke Elisabeth Ballmann das, was die Kinder heutzutage Tag für Tag erleben - und beschreibt auch, was das für Folgen für die kindliche Entwicklung hat (Focus Online vom 16.10.2019). Dafür hat sie über 500 Kinderkrippen in Deutschland besucht - und das finde ich nun wirklich unschön, was dabei herausgekommen ist und deckt sich leider auch mit dem, was andere dazu sagen und das, was mir durch das betroffene Personal hier in meiner Arbeit gerne berichtet wird.

Frau Ballmann will mit ihrem Buch wachrütteln und sensibilisieren...

Dabei beschreibt sie auch, was sie als problematisch erlebt - die sogenannten "Small-T-Traumata", die sich in ständigen Demütigungen, Isolation, gewaltvolle Worte, eindringendes (grenzverletzendes) Verhalten und dem Ausüben von permanentem Druck zeigt und in den Kindern tiefe psychische Wunden verursacht. Ja, es sind die subtilen "Gewalttaten" (unterhalb des Radarschirms), die nachweisliche Schäden an Kinderseelen verursachen. Time-Out ist immer noch eine gängige und eingesetzte Methode dafür - obwohl das Wissen darüber besteht, dass dies schlicht und ergreifend - Bindungsvernichtend wirkt - bis hin zu gezieltem quälen (und wenn es nur der Zwang ist, Soße zu den Nudeln zu essen).

"SEELENPRÜGEL" hinterlassen nachweislich messbare Spuren im Gehirn - leider schlechte! Untersuchungen belegen, dass seelische Verletzungen, genau die gleiche Wirkung haben, als körperliche - vielleicht sogar noch schlimmer - einen gebrochenen Arm sieht man ja auch. Die Natur hat uns mit einem Schmerzzentrum ausgestattet - und der Einfachheit halber, oder sonstiger ökologischer Gründe findet in ein und dem selben Areal psychischer wie physischer Schmerz statt. Das stresst das Nervensystem und sorgt somit schon sehr früh dafür, dass diese Menschen beginnen, mit Stress anders umzugehen, was später dann massive Folgen haben wird. Es bleibt nur übrig, sich abzuschneiden, von sich und seinen Gefühlen.

In meiner Welt ist dies nicht nur dramatisch - sondern eher eine Tragödie. >>Link<<

Prof. Dr. Franz Ruppert sagt ganz klar:

"Kinder, die ihre Eltern verlieren, verlieren allmählich ihre Bindungsfähigkeit, weil ihr Bindungssystem abgeschaltet werden muss, um eine Übererregung und damit den Tod des Kindes zu verhindern."

"Die unausweichliche Folge sind wahllose und oberflächliche Bindungsversuche an potenzielle Ersatzeltern."

KriTheCo - Krisenintervention-Therapie-Coaching

Alexander Weindl

Praxis für Psychotherapie
Traumatherapie & Traumapädagogik
Kinder- und Jugendlichen-Coaching
Elternberatung
Auf der Grundlage des Heilpraktikergesetz
In Altötting seit 2011 und live von der IBK seit 2015

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